„Die UNO ist bei der Westsahara-Frage mit ihrem Latein am Ende." Kofi Anan
1991 war die Hoffnung groß, dass der lange Befreiungskampf der Sahrauis ein Ende finden würde. Beide Kriegsparteien akzeptierten den UNO-Friedensplan, der folgende Schritte vorsah: Waffenstillstand, Freilassung aller Kriegsgefangenen, Rückkehr der Flüchtlinge und die Durchführung einer Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der Westsahara bzw. die Angliederung der Region an das Königreich Marokko. Dies war die Geburtsstunde der MINURSO(UNO-Mission für die Organisation eines Referendums in der Westsahara). Innerhalb einiger Monate sollte die Mission abgeschlossen sein. Bald darauf musste man jedoch auf den Boden der Realität zurückkehren.
Denn bereits sehr früh trat ein erstes Hindernis auf: Marokko war mit den Kriterien,nach denen die MINURSO die Wählerlisten bestimmen sollte, unzufrieden. Man gab schließlich zugunsten Marokkos nach. Das zweite große Problem war, dass die UNO mit hunderttausenden Anträgen von Personen konfrontiert wurde, die alle angaben, Saharauis zu sein und die an dem Referendum teilnehmen wollten. Wieder gab man nach, und alle Anträge wurden in den Identifizierungsprozess aufgenommen. Die schwierige Identifizierungsarbeit dauerte zehn Jahre. Danach wurden die Wählerlisten von der UNO veröffentlicht. Marokko hatte erneut Einwände. Der gesamte Friedensplan geriet in eine Sackgasse. Der ehemalige US-Außenminister James Baker sollte nun den Friedensbemühungen der UNO in der Westsahara neues Leben einhauchen. Nach unzähligen Baker-Plänen hat der erfahrene amerikanische Diplomat seine Mission Impossible erfolglos beendet. Ein Zitat von ihm macht deutlich, dass Marokko eigentlich nicht an einer friedlichen Lösung interessiert ist: „Je näher wir dem Referendum kommen, desto nervöser wird Marokko." Wenn wir heute, 17 Jahre später, eine Bilanz ziehen wollen und uns fragen, was die MINURSO erreicht hat, dann fällt die Antwort leider leicht: Nichts. Aus der UNO-Mission für die Durchführung eines Referendums in der Westsahara wurde eine UNO-Mission für die Überwachung eines zerbrechlichen Waffenstillstandes und den Schutz einer Besatzungsmacht, die weiterhin die Menschenrechte in den besetzen Gebieten der Westsahara verletzt.
Zu MINURSO: Seit April 1991, Mission der Vereinten Nationen für die Durchführung des Referendums in Westsahara
Truppenstärke: Militär 231; Zivilpolizei 6; Budget (07/07-06/08): 47,64 Mio. US $ (brutto)